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Gesund führen: Belastung im Team erkennen und Arbeit gesund gestalten

Was Führungskräfte für die Gesundheit ihres Teams und für sich selbst tun können – kurz erklärt, mit Warnzeichen und Gesprächsablauf.

Martin Minx
Arbeits- und Organisationspsychologe
Stand: Oktober 2026ca. 5 Minuten Lesezeit

Inhalt

  • Warum beeinflusst Führung die Gesundheit?
  • Was macht gesundes Führen aus?
  • Woran erkennen Sie Überlastung im Team?
  • Wie sprechen Sie Belastung an? Ablauf in fünf Schritten
  • Welche Rolle hat die Führung in der GB Psych?
  • Wo liegen die Grenzen?
  • Häufige Fragen
  • Quellen
Inhalt +
  • Warum beeinflusst Führung die Gesundheit?
  • Was macht gesundes Führen aus?
  • Woran erkennen Sie Überlastung im Team?
  • Wie sprechen Sie Belastung an? Ablauf in fünf Schritten
  • Welche Rolle hat die Führung in der GB Psych?
  • Wo liegen die Grenzen?
  • Häufige Fragen
  • Quellen

Kurz gesagt

  • Führung hängt mit der Gesundheit im Team zusammen – über das Verhalten der Führungskraft und über die Gestaltung der Arbeit.
  • Gesund führen heißt: auf sich selbst achten, das Team unterstützen und die Arbeit gesund gestalten.
  • Wer Veränderungen im Verhalten bemerkt, spricht sie früh an und zeigt Hilfen auf – ohne Diagnose.
  • Führung ersetzt keine guten Arbeitsbedingungen. Ist die Belastung zu hoch, kann auch gute Führung sie nicht mehr abfedern.

Warum beeinflusst Führung die Gesundheit?

Führungskräfte wirken direkt durch ihr Verhalten und indirekt, weil sie die Arbeit gestalten – etwa das Arbeitspensum und den Spielraum für Entscheidungen.

Wer häufig Unterstützung und Anerkennung von Vorgesetzten erlebt, ist seltener erschöpft und fehlt seltener krankheitsbedingt. Wenig Wertschätzung, Rücksicht und Beteiligung hängen dagegen mit deutlichen Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit zusammen.

Was macht gesundes Führen aus?

  • Auf sich selbst achten: Pausen machen, realistisch planen, Ziele mit den eigenen Vorgesetzten absprechen, eigene Warnsignale ernst nehmen. Sie sind Vorbild: Wer die Vorgesetzten beim Thema Gesundheit als Vorbild erlebt, ist weniger gesundheitlich beeinträchtigt.
  • Beteiligen: Beschäftigte an Entscheidungen über ihre Arbeit beteiligen und sie im Rahmen ihrer Befugnisse selbst entscheiden lassen.
  • Wertschätzen: Lob auf eine konkrete Leistung beziehen. Auch nach Problemen fragen und für Kritik offen sein.
  • Rückhalt geben: ansprechbar sein und das Team vor ungerechtfertigten Anforderungen anderer schützen.
  • Klarheit schaffen: Entscheidungen erklären, Veränderungen früh ankündigen, Zuständigkeiten klären. Laut BGW liegt in Rollenklarheit und Vorhersehbarkeit Ihr größter Einfluss auf die Gesundheit des Teams.

Beispiel aus der Pflege: Angehörige mischen sich immer wieder in die Pflege ein und kritisieren das Personal. Die Leitung regelt: Beschwerden gehen schriftlich an sie, während der Pflege verlassen Angehörige das Zimmer. Die Regeln setzt die Leitung selbst durch.

Woran erkennen Sie Überlastung im Team?

Achten Sie auf viele Überstunden, häufige Fehlzeiten und viele Vertretungseinsätze. Handeln Sie auch, wenn sich Beschäftigte zurückziehen, Überforderung äußern oder der Krankenstand auffällig steigt.

In der Pflege kommen typische Auslöser hinzu, etwa Schichtdienst, emotional belastende Gespräche mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen und Zeitmangel bei hohem Qualitätsanspruch.

Bei Einzelnen können diese Veränderungen ein Signal sein:

  • Arbeitsdisziplin: häufige Verspätungen, Termine werden nicht gehalten, Arbeit bleibt liegen
  • Leistung: starke Schwankungen, mehr Fehler, häufiges Nachfragen trotz langer Erfahrung
  • Miteinander: Rückzug aus Pausen und Teamrunden, Gereiztheit, heftige Reaktionen auf Kritik
  • Weitere Zeichen: andauernde Niedergeschlagenheit, häufige Kurzerkrankungen, mehr Alkohol, Nikotin oder Medikamente

Meist sind es mehrere Zeichen zusammen. Nicht jede Belastung ist von außen zu erkennen.

Wie sprechen Sie Belastung an? Ablauf in fünf Schritten

Voraussetzung ist ein regelmäßiger, wertschätzender Kontakt. Nur dann öffnen sich Betroffene.

  1. 1

    Vorbereiten

    Sprechen Sie wiederholte Auffälligkeiten früh an. Nennen Sie vorher Anlass und Ziel. Sorgen Sie für Ruhe und genug Zeit.

  2. 2

    Beobachtung schildern

    Sagen Sie, was Ihnen aufgefallen ist und dass Sie sich Sorgen machen. Deuten Sie nicht und stellen Sie keine Diagnose. Das erste Gespräch bleibt unter vier Augen und vertraulich.

  3. 3

    Ursachen klären

    Fragen Sie, welche Gründe die Person selbst sieht: in der Arbeit oder privat. Ursachen in der Arbeit, etwa in der Arbeitsorganisation, zu beheben, ist Ihre Aufgabe.

  4. 4

    Unterstützung anbieten

    Zeigen Sie Hilfen auf: Betriebsärztin oder Betriebsarzt, Sozialberatung, Personalabteilung, Interessenvertretung, externe Beratungsstellen. Sagen Sie auch klar, was Sie erwarten.

  5. 5

    Nachfassen

    Halten Sie das Ergebnis schriftlich fest und vereinbaren Sie ein neues Gespräch nach etwa vier bis sechs Wochen.

Welche Rolle hat die Führung in der GB Psych?

Der Arbeitgeber muss auch die psychische Belastung beurteilen. Aufgaben daraus kann er schriftlich übertragen, in der Regel auch auf Führungskräfte.

Gut gestaltet ist der Bereich soziale Beziehungen unter anderem, wenn Vorgesetzte bei Bedarf unterstützen, regelmäßig Rückmeldung und Anerkennung geben und Führungskräfte dafür genug Zeit und Qualifizierung bekommen.

Führungskräfte und Beschäftigte werden beim Beurteilen sowie beim Entwickeln und Umsetzen der Maßnahmen einbezogen. Maßnahmen an Organisation und Abläufen gehen vor Maßnahmen, die nur das Verhalten Einzelner ändern sollen. Eine Schulung für Führungskräfte ergänzt die Gestaltung der Arbeit, sie ersetzt sie nicht.

Da auch das eigene Führungsverhalten zum Thema wird, empfiehlt die BGW für kritische Ergebnisse einen geschützten Rahmen ohne Schuldzuweisungen.

Wo liegen die Grenzen?

  • Keine Therapie: Eine Führungskraft ist keine Therapeutin und kein Therapeut. Sie stellt keine Diagnose und macht keine Therapievorschläge.
  • Akute Krise: Lassen Sie die Person nicht allein, sprechen Sie ruhig und ohne Vorwürfe, nehmen Sie Suizidgedanken ernst. Holen Sie bei Bedarf über den Notruf professionelle Hilfe.
  • Nicht allein verantwortlich: Für gesunde Arbeitsbedingungen ist die Unternehmensleitung verantwortlich, für die eigene Gesundheit auch jede und jeder Beschäftigte.
  • Weichen werden oft weiter oben gestellt: Wichtige Entscheidungen, etwa zu Personal und Abläufen, fallen nach Hinweisen von Fachleuten eher im oberen und mittleren Management. Die Leitung soll Führungskräfte in der Sandwich-Position vor unnötigen Zwickmühlen schützen, etwa mit Leitlinien.

Häufige Fragen

Darf ich nach der Diagnose fragen?+

Nein. Die Diagnose geht die Führungskraft nichts an. Wer sie nicht nennt, darf dadurch keine Nachteile haben.

Was hilft bei der Rückkehr nach einer psychischen Erkrankung?+

Ein klares „Willkommen zurück“. Besprechen Sie vorher die Wünsche der Person zu Aufgaben, Arbeitszeit und Miteinander, informieren Sie das Team über nötige Änderungen und begleiten Sie die Rückkehr über längere Zeit.

Lohnt sich eine Schulung für Führungskräfte?+

Die DGUV empfiehlt für die Pflege Führungskurse und Coaching, die BGW Weiterbildungen in gesundheitsorientiertem Führen, Gesprächsführung und Konfliktmanagement. Die BAuA sieht in der Qualifizierung von Führungskräften einen Weg, die Arbeit in der Pflege zu verbessern.

So unterstützen wir

Mit dem Beratungsangebot „Gesund führen“ bieten wir Sensibilisierung und Training für Führungskräfte: psychische Belastung erkennen, Arbeit gesund gestalten, gesundheitsförderlich führen. Außerdem bieten wir 1:1-Coaching für Führungskräfte und Schlüsselpersonen an.

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Quellen

  1. BGW: „Gesund und motivierend führen – Wie Führungskräfte ihr Team und sich selbst stärken“ (BGW 04-07-011), Stand 05/2025
  2. DGUV Information 206-030 „Umgang mit psychisch beeinträchtigten Beschäftigten – Handlungsleitfaden für Führungskräfte“, Ausgabe September 2020
  3. DGUV Information 206-059 „Sicherheits- und gesundheitsgerechte Führung – Reflexion für das eigene Unternehmen“, Ausgabe Januar 2025
  4. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): „Stressreport Deutschland 2019 – Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden“, 2020 (Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018)
  5. GDA-Arbeitsprogramm Psyche: „Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung – Empfehlungen zur Umsetzung in der betrieblichen Praxis“, 4. Auflage 2022, aktualisiert am 06.01.2026
  6. BGW: „Psychische Gesundheit im Fokus – BGW-Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastung“ (BGW 08-00-005), Stand 07/2025
  7. DGUV Information 207-019 „Gesundheitsdienst“, Ausgabe November 2025
  8. Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 5 Abs. 1 und Abs. 3 Nr. 6 und § 13 Abs. 2

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